Interview mit Ferry Corsten

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Ferry Corsten - Full On...
Fragt man Clubber nach einschlägigen musikalischen Erlebnissen der vergangenen Jahre, dürfte wohl System Fs "Out Of The Blue" zu einer der Hauptantworten zählen. Verantwortlich für diesen zeitlosen Tune, der dem Trancesound eine völlig neue Richtung gab: Ferry Corsten. Seit 17 Jahren, einer Zeit in der unzählige DJs und Produzenten kamen und gingen, begeistert der Holländer fast ununterbrochen weltweit mit seinen DJ-Sets und überrascht jedes Mal aufs Neue mit dem musikalischen Output seines Rotterdamer Studios. Ans Aufhören denkt er dabei noch lange nicht. Im Gegenteil, jetzt hat er dem Ganzen mit "Full On Ferry" und "Corsten’s Countdown" noch eins oben draufgesetzt und schwimmt weiter auf der immer noch steigenden Erfolgswelle. Dass er trotz alledem den Boden der Realität nicht verloren hat, bewies er uns in einem recht lockeren Interview. Zwar erfuhren wir nichts über das Geheimnis seines Erfolgs, dafür aber über so manch andere interessante Details.


Das Jahr neigt sich dem Ende. Wenn du die zurückliegenden 12 Monate betrachtest, wie war dein 2007?
2007 war ein super Jahr für mich. Ich war die meiste Zeit irgendwo auf dieser Welt als DJ unterwegs, habe einige neue Tracks und Remixes produziert und eine Menge Zeit damit verbracht, mein erstes eigenes Event 'Full On Ferry', das im Oktober in Rotterdam startete, auf die Beine zu stellen.

Und was erwartet uns als nächstes?
Ich habe das Deejaying momentan ein wenig zurück gefahren, um wieder mehr Zeit im Studio zu verbringen. Mein letztes Artistalbum "L.E.F." liegt ja bereits über ein Jahr zurück, so dass es Zeit wird, am Nachfolger zu schrauben. So etwas braucht natürlich seine Zeit, aber ich denke, Ende 2008 sollte man damit rechnen.

Dein letzter Track "Brain Box" klingt sehr nach Zombie Nations "Kernkraft 400". War das Absicht oder Zufall?
Das war definitiv keine Absicht! Ich hatte einfach Lust, den rauen deutschen Oldschoolsound wieder zum Leben zu erwecken. Dass dabei der Leadsound dem des Zombie-Nation-Tracks etwas ähnelt, ist rein zufällig. Wenn du den Track insgesamt betrachtest und dann vergleichst, wirst du feststellen, dass es zwei völlig eigenständige Nummern sind.

Neben "Brain Box" findet man derzeit auch einen Remix von dir zum Public-Enemy-Klassiker "Bring Me Noise" in den Plattenläden.
Ultra Records, das Label, das meine Releases in den Staaten vermarktet und mit dem auch Public Enemy zusammen arbeiten, trat vor einigen Monaten mit einer Best Of-DVD von Public Enemy an mich heran und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, einen dieser Tracks zu remixen. "Bring The Noise", ein absolutes Spaßtool und eine Platte, mit der ich aufgewachsen bin, stach hierbei besonders hervor. Es war eine große Herausforderung, das Ganze neu abzumischen.

Letzten Sommer warst du auf Ibiza einer der ‚Cream’-Residents im Amnesia. Wir hatten das Glück, kurz vor Saisonende selbst dort zu sein und dich live zu erleben. Für uns war es eine Wahnsinns-Show! Und für dich?
Der Sommer war einfach irre. Das Amnesia ist ein fantastischer Club und Cream ist einfach das Beste daran. Bei diesem Event trifft sich eine Crowd, die so unglaublich auf diese Musik abgeht, dass es einfach großartig ist. Genau so, wie neben Paul van Dyk dort zu spielen. Leider bleibe ich nie sehr lange auf Ibiza, da es mich häufig zurück ins Studio verschlägt oder ich am nächsten Tag schon wieder an irgendeiner anderen Stelle der Welt auflege. Schade eigentlich, denn die Partycrowd auf dieser Insel ist einfach unfassbar. Sie alle haben die richtige Einstellung zur Musik, liegen tagsüber am Strand und geben jede Nacht Vollgas.

Genau wie du hinter den Decks. Doch warum nur noch mit CDs? Bist du ein Freund der schnell fortschreitenden Digitalisierung des Deejayings?
Ich mag das CD-Deejaying. Es macht es um ein Vielfaches leichter, damit um die Welt zu reisen. Außerdem erhalte ich heutzutage die meisten Promos auf CD oder via Download-Link. Das Ganze mit dem Laptop oder einer All-In-One-Lösung umzusetzen, reizt mich momentan überhaupt nicht, da mir dabei zu sehr der Sinn des eigentlichen "DJ At Work"-Gefühls verloren geht. Ich muss einfach immer noch an den Decks arbeiten und in meinem CD-Case wühlen.

Hat diese Digitalisierung auch schon Einzug in dein Studio gehalten oder setzt du da auf altbewährte Hardware?
Ich kombiniere beides. Auch wenn es mittlerweile beinahe alles als Softwarelösung gibt, sind da immer noch unschlagbare Hardware-Maschinen, die ein absolut einzigartiges Klangerlebnis liefern. Soundtechnisch sind für mich die Synthesizer von ROLAND ein absolutes must have. "Out Of The Blue", das ich unter System F produzierte, ist damals mit dem JP 8000 entstanden, kurz nachdem dieser auf den Markt kam. Weiterhin kann man wohl den Clavia Nordlead zu meinen absoluten Favoriten im Studio zählen.

Was macht Ferry, wenn er mal nicht irgendwo auf der Welt hinterm DJ-Pult steht?
Produzieren, produzieren, produzieren. Nein, nicht nur. Manchmal hole ich auch meine kulinarischen Künste aus der Versenkung und verbringe eine Menge Zeit in der Küche. Seit einigen Wochen habe ich auch noch einen kleinen Hund, der ebenfalls eine Menge Zeit in Anspruch nimmt.

Am 27. Oktober gab es die Premiere für deine Show ‚Full On Ferry’. Wie kam es dazu?
Die UDC-Crew, die unter anderem ‚Dance Valley’ zu ihren Produktionen zählt, ist mehrfach an mich heran getreten und hat immer wieder gefragt, ob ich nicht mal ein eigenes Event im Ahoy in Rotterdam starten möchte. Ich fand aber immer, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür war. Allein die Vorbereitungen für solch eine Show schlucken dermaßen viel Zeit, dass es mich von anderen, ebenfalls wichtigen Dingen abgehalten hätte. Doch in diesem Jahr war es nun an der Zeit, etwas Frisches und Neues auf die Beine zu stellen. It’s time for ‘Full On Ferry - The Masquerade’. Das Konzept, das dahinter steckt, stellt mich für über acht Stunden an das DJ-Pult. Während dieser Zeit spiele ich zeitweise solo und zeitweise "back to back" mit anderen DJs, die nicht unbedingt meinen eigenen Style verfolgen. Nach dem Startschuss der Planungsphase fühlte es sich an wie ein riesiges Experiment. Als die Show dann vorbei war, fühlte es sich fantastisch an. Ich habe definitiv Hunger auf mehr!

Also wird dieses Event fortgesetzt?
Nach diesem erfolgreichen Start auf jeden Fall!

Was passiert außer ‚Full On Ferry’ in Rotterdam?
Rotterdam ist eine sehr fortschrittliche und angesagte Stadt, die sich gern als junge und vibrierende Metropole sieht. Die Stadt hat zahlreiche Undergroundclubs, deren Style von Hardcore bis House reicht. Musikstyles finden hier ihren Ursprung, finden ihren Weg nach Amsterdam und kommen dann groß raus. Jährliche Events wie ‚City Race’, ‚Dance Parade’ oder der ‚Sommerkarneval’ runden das Ganze zusätzlich ab.

Du hast die Compilation zum diesjährigen ‚Dance Valley’ gemixt. Erzähl uns etwas über dieses Event. Wie kam es zu der Mix-CD?
‚Dance Valley’ zählt zu den ältesten und erfolgreichsten Outdoor-Events während des Sommers. Das tagsüber stattfindende Festival gleicht einem musikalischen Rummelplatz ohne Altersbegrenzung. Die dazugehörende Mix-Compilation wurde von mir bereits das dritte Mal zusammengestellt, was eine große Ehre für mich ist. Die Vielfalt der musikalischen Styles auf dem Festival erlaubt es mir, auf den CDs ebenfalls sehr breit gefächert spielen zu können, was ich sehr cool finde.

Mittwochs gibt es dich seit einiger Zeit auch im Internet-Radio mit "Corsten’s Countdown" zu hören.
"Corsten’s Countdown" ist die wohl einzige Show derzeit, bei der du aktiv als Zuhörer eingreifen kannst. Ich spiele die ersten Wochen des Monats neue Scheiben vor und du kannst daraus deinen eigenen Favoriten auswählen. In der letzten Show des jeweiligen Monats entsteht aus den meist gewählten Tracks eine Art Top 10, die ich dann im Mix präsentiere. Ich mag dieses Konzept; es hat etwas Einzigartiges an sich. Als Extrabonus gebe ich den Zuhörern von "Corsten’s Countdown" die Chance, ihre eigenen Demotracks einzusenden, damit diese einen ersten Airplay-Gehversuch starten können.

"Full On Ferry – The Masquerade" erscheint auf DVD

External Links:
http://www.ferrycorsten.org
http://www.myspace.com/ferrycorsten
http://www.fullonferry.com